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20. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 27.11.2010

Rund 150 Ornithologinnen und Ornithologen kamen - teilweise durch frisch gefallenen Neuschnee - am 27.11.2010 ins Jugendbildungszentrum Blossin, um Neues aus der Vogelwelt Brandenburgs zu hören. Die ersten beiden Vorträge berichteten über Ergebnisse der Satellitentelemetrie bei ziehenden Greifvögeln. Bernd-Ulrich Meyburg präsentierte Zugrouten von Baumfalken, die in Deutschland markiert wurden. Mittelmeer und Sahara wurden in geografisch breit gestreuten Routen überflogen, während einige Individuen den tropischen Regenwald an der schmalsten Stelle passierten. Hauptüberwinterungsgebiet war Angola. Nach den Telemetriestudien von Christiane Trierweiler können mitteleuropäische Wiesenweihen über Spanien, Italien oder Griechenland in ihre Überwinterungsgebiete in der Sahelzone ziehen. Ein wichtiges Rastgebiet wurde in Marokko entdeckt, wo die Weihen im Frühjahr vor allem Jungvögel und Gelege fressen, beispielsweise von den dort häufigen Kurzzehenlerchen.

Stefan Jansen trug Untersuchungen über die Vogelwelt der Agrarlandschaft vor. Das Ende der Förderung der Flächenstillegung durch die EU, verbunden mit der Zunahme von Maisanbauflächen, hat seit 2008 bereits zu erheblichen Verlusten geführt, denn Brachflächen erwiesen sich als besonders arten- und individuenreich. Besonders stark ist das Braunkehlchen betroffen. Anschließend stellte Stefan Fischer das geplante Portal ornitho.de des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten vor, das zukünftig als zentrale Melde- und Sammelstelle von ornithologischen Beobachtungsdaten in Deutschland fungieren soll. Es zeichnet sich durch klare Regeln im Umgang mit den Daten aus und erlaubt auch den einzelnen Nutzern sowie den Arbeitsgruppen eigene Datenhaltung.

In der Mittagspause nutzten einige Teilnehmer die Möglichkeit, am Wolziger See frische Luft zu schnappen, andere inspizierten das Angebot der angereisten Fachbuchhändler. Anschließend zeigte Beatrix Wuntke, dass es im Jahr 2010 in norddeutschen Untersuchungsgebieten infolge des strengen Winters einen völligen Zusammenbruch des Schleiereulen-Brutbestandes gegeben hat. In einzelnen Süd- und westdeutschen Gebieten war dies nicht so ausgeprägt, dafür gab es dort bereits 2009 einen Rückgang. Im Winter 2010 wurden keine vermehrten Totfunde beringter Schleiereulen gemeldet, weshalb diskutiert wurde, ob die Vögel abgewandert sein könnten.


Rothalstaucher (Foto: W. Suckow)

Ulf Kraatz stellte die Ergebnisse der diesjährigen Rothalstaucher-Erfassung der OAG Uckermark vor. An 230 kontrollierten Gewässern wurden lediglich etwa 40 Brutpaare beobachtet. In den letzten Jahren hat offenbar ein drastischer Bestandsrückgang stattgefunden, denn noch zur ADEBAR-Kartierung wurden deutlich höhere Zahlen angegeben. Winfried Dittberner berichtete anschließend über die Auswirkungen des sommerlichen Oderhochwassers in diesem Jahr. Der hohe Wasserstand im Frühjahr führte zu spektakulären Brutansiedlungen, unter anderem von 85 Paaren Weißbart-Seeschwalben und 600 Paaren Weißflügel-Seeschwalben. Durch die Flutung der Polder gingen die Bruten sämtlicher Landvögel und der meisten Wasservögel verloren. Der Referent plädierte für ein naturnahes Wasserregime in der Flussaue.

Nach der Kaffepause gab Tobias Dürr dann einen Überblick zum Bestand und Bruterfolg des Kormorans, dem Vogel des Jahres 2010. Der Bestand schwankt seit etwa 10 Jahren auf gleichbleibendem Niveau. Ein Großteil der Kolonien wird inzwischen von Waschbären beeinflusst, so dass vielfach ein niedriger Bruterfolg festzustellen ist. Neues von der Großtrappe berichtete Torsten Langgemach. Der Bestand hat sich seit dem Tiefpunkt in den 90er Jahren etwa verdoppelt, was der Extensivierung des Lebensraums und dem Schutz vor Prädatoren durch großräumige Umzäunungen zu danken ist. Im Havelländischen Luch erfolgte die Zunahme weitgehend ohne künstliche Bestandsstützungen. In den letzten Jahren haben Verluste durch Seeadler zugenommen.

Von letzteren handelte ein Vortrag von Ulrich Köppen, der kurzfristig für einen erkrankten Referenten eingesprungen war. Farbberingte Seeadler zeigten nach Alter und Geschlecht differenzierte Zerstreuungswanderungen. Die meisten Vögel blieben im ostdeutschen Vorkommensgebiet, doch stießen einzelne jüngere Vögel weit nach Westen vor.


Foto: M. Szindlowski

In der Mitgliederversammlung der ABBO wurden unter anderem die aktuellen online-Angebote der ABBO vorgestellt, die Form der Datensammlung diskutiert und aktuelle Publikationen angekündigt (Brutvogelatlas, historische Avifauna). Von der Mitgliederversammlung wurde auf Antrag des Vorstandes einstimmig der Bezugspreis der Zeitschrift "Otis" von 10 auf 12 € angehoben.

Im Abendvortrag zeigte Heinz Litzbarski eindrucksvoll, wie man in Patagonien auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen bemerkenswerte Vogelbeobachtungen machen kann. Traumhaft schöne Fotos der Küsten-, Steppen- und Gebirgslandschaften haben wohl bei so manchem Zuhörer das Fernweh geweckt. Darüber hinweg trösteten das abendliche Bier und die Plaudereien mit den Fachkolleginnen und-kollegen bis spät in die Nacht.

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Wolfgang Mädlow