ABBO-Logo

23. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 30.11.2013

Die 160 Sitzplätze im Tagungsraum des Jugendbildungszentrums Blossin reichten kaum aus, um die wissbegierigen Ornithologinnen und Ornithologen aus Brandenburg und Berlin aufzunehmen,die zur diesjährigen ABBO-Tagung gekommen waren. Zum Einstieg berichtete Johan Mooij von der Biologischen Station Wesel über die Situation der Zwerggans, einer global gefährdeten Art, in Europa. Vor allem in Skandinavien gab es einen besorgniserregenden Bestandsrückgang. Die unterschiedlichen Ansätze zum Schutz in Schweden und Norwegen wurden kontrovers diskutiert. Bernd Ludwig zeigte die ornithologische Bedeutung der ehemaligen Rieselfelder Wusterhausen-Ragow. Unter anderem konnte die Entdeckung von 74 rufenden Wachtelkönigen 2013 mitgeteilt werden. Im Vorjahr hatte die ABBO eine Resolution zum Schutz der Rieselfelder verabschiedet. Erfreulicherweise hat die Kreisverwaltung inzwischen ein Unterschutzstellungsverfahren in die Wege geleitet.

Bodo Rudolph fasste die Kenntnisse über die Vogelwelt der Reckahner Teiche zusammen und zitierte historische Quellen aus der Region. Da die derzeitige, über eine Ersatzmaßnahme finanzierte vogelschutzgerechte Wasserstandsregulierung nur noch wenige Jahre läuft und die Teiche außerdem zunehmend zuwachsen, ist ein neues Konzept zur längerfristigen Pflege erforderlich. Klemens Steiof referierte anschließend über „Vögel und Glas“. Anflüge an Glasscheiben sind vor allem in Siedlungsbereichen ein erheblicher Mortalitätsfaktor. Vor allem die Sichtbarmachung mit Streifen oder Punkten macht die Scheiben für die Vögel sichtbar und vermeidet Verluste. Einzelne Greifvogelsilhouetten bleiben dagegen wirkungslos. Eine sehr informative Brochure der Schweizerischen Vogelwarte Sempach kann kostenlos unter www.vogelglas.info heruntergeladen werden. In der Mittagspause konnten die ABBO-Mitglieder das neueste Heft der Vereinszeitschrift Otis druckfrisch aus den Händen des Schriftleiters Toni Becker entgegen nehmen. Marion Szindlowski präsentierte dann ein Vogelquiz, das es in sich hatte und selbst guten Kennern manch harte Nuss zu knacken gab. Die vom Buchhändler Christ gesponserten Preise erhielten schließlich Tobias Dürr als Gewinner sowie Roland Neumann und Martin Grimm auf den folgenden Plätzen.


Am Bücherstand von Herrn Christ

Christoph Grüneberg vom DDA setzte das Vortragsprogramm fort und präsentierte Ergebnisse aus dem ADEBAR-Atlasprojekt und den verschiedenen Brutvogelmonitoring-Programmen des DDA. Für viele Arten lassen sich inzwischen belastbare Trends angeben, die leider vielfach eine Verschlechterung der Bestandssituation in den letzten Jahren anzeigen. Für seltenere Arten wird ein neues Monitoringprogramm aufgelegt, in dem Wasservögel in abgegrenzten Gewässerabschnitten und ausgewählte Landvogelarten auf Messtischblättern oder Teilen davon erfasst werden sollen. Jochen Bellebaum zeigte die dramatisch negative Bestandssituation des Seggenrohrsängers der sogenannten pommerschen Population entlang der Oder. Auf deutscher und polnischer Seite laufen verschiedene Schutzprojekte, um die Lebensräume zu erhalten, zu verbessern und wiederherzustellen. In nährstoffreichen Flussauen stellen Seggenrohrsänger besondere Anforderungen an das Bewirtschaftungsregime. Als Ersatz für einen Vortrag, der kurzfristig ausfallen musste, ergänzte Klemens Steiof seine Ausführungen über anthropogen bedingte Vogelverluste vom Vormittag um den Aspekt „Lichtverschmutzung“ und ging dabei auch auf die Auswirkungen auf Insekten ein. Skybeamer sollten wegen der Gefährdung nächtlich ziehender Vögel während der Zugzeiten nicht genehmigt werden.

Nach einer Kaffeepause führte Ronald Beschow die Ergebnisse 20jähriger systematischer Erfassungen in der Bergbaufolgelandschaft Welzow-Süd vor. Mit fortschreitender Sukzession veränderten sich entsprechend auch die Vogelgemeinschaften. Aber auch heute noch hat das Gebiet erhebliche Bedeutung für Offenlandarten wie Grauammer, Ortolan und Rebhuhn. Manche Kleinvogelarten und Greifvögel nutzen es als bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet. Insgesamt konnten bislang 200 Vogelarten nachgewiesen werden. Abschließend wertete Rainer Altenkamp die Ergebnisse der Rotmilan-Kartierung 2011 und 2012 aus. 16 % der Landesfläche Brandenburgs wurden erfasst. Eine einfache Hochrechnung ergab mit gut 1.200 Paaren eine nur geringfügig niedrigere Bestandszahl als bei der letzten Erfassung im Jahr 2000. In vier von fünf in beiden Perioden erfassten Gebieten nahm die Art allerdings deutlich ab. Höhere Bestandsangaben aus der dazwischen liegenden ADEBAR-Erfassung sind wahrscheinlich methodisch

In der Mitgliederversammlung wurde der Rechenschaftsbericht des Vorstandes abgegeben sowie von den jeweils Verantwortlichen über die Aktivitäten der Avifaunistischen Kommission für Brandenburg und Berlin (AKBB), die Wasservogelzählungen und die Zeitschrift Otis berichtet. In der turnusmäßigen Vorstandwahl wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt: Wolfgang Mädlow als Vorsitzender, Torsten Ryslavy als Stellvertreter, Marion Szindlowski als Kassenführerin, Karsten Siems als Schriftführer sowie Simone Müller, Bodo Rudolph und Steve Klasan als Beisitzer. Als Kassenprüfer wurden Kristina Hühn und Bodo Giering gewählt.


Preisverleihung zum Vogelquiz

Nach dem Abendessen faszinierte Thomas Krumenacker mit wunderschönen Fotos vom Vogelzug in Israel, aber auch mit neuen Auswertungen über die Anzahl durchziehender Greifvögel. Systematische Erfassungen von über 100.000 Schreiadlern pro Herbstsaison deuten darauf hin, dass es im europäischen Teil Russlands höhere Bestände geben könnte als bislang angenommen.

Bis in die späte Nacht wurden dann in der Gaststätte des Jugendbildungszentrums, aber auch noch auf den Zimmern, die ornithologischen Plaudereien fortgesetzt, bevor am nächsten Morgen pünktlich um 9.00 Uhr die ebenfalls sehr inhaltsreiche Beringertagung begann.

Die ABBO-Tagung 2014 wird nicht wie in den meisten Jahren zuvor am Wochenende des 1. Advents sondern schon am 08.11.2014 in Blossin stattfinden - wie üblich zusammen mit der Beringertagung am folgenden Tag.

Text: Wolfgang Mädlow, Fotos: Steve Klasan

Einige Präsentationen stehen als PDF-Dateien zur Verfügung. Sämtliche Rechte an den Präsentationen liegen bei den Autoren. Die Internetveröffentlichung bedeutet keine Einverständniserklärung für eine anderweitige Nutzung durch Dritte. Jede Verwertung auch auszugsweise ist ohne Zustimmung der Urheber unzulässig und strafbar.