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16. ABBO-Tagung am 25.11.2006


Foto: W. Suckow, Höckerschwäne, 21.09.2006

Über 150 Teilnehmer haben den Weg ins "Inselparadies Petzow" gefunden, um neuen Ergebnissen aus der Vogelforschung in Brandenburg zu lauschen, Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen.

Das Vortragsprogramm begann mit einem Übersichtsvortrag von Torsten Ryslavy über die "Ersterfassung" ausgewählter Vogelarten in den SPA und Ergebnisse der langjährigen Bestandserfassungen seltener Arten. Etwa 3.000 km2 Vogelschutzgebiete wurden 2005 und 2006 kartiert, wobei sich überraschend hohe Bestände von Arten wie Mittelspecht, Ortolan, Ziegenmelker und anderen gefunden haben.

Reinhard Möckel berichtete über die Pilotstudie zur Wiederansiedlung von Auerhühnern in der Niederlausitz. Nachdem sich der Lebensraum in den vergangenen Jahren stark verbessert hat, sollen wild gefangene Auerhühner aus Osteuropa ausgesetzt und beobachtet werden. Nur bei Erfolg dieser Testphase soll das Projekt fortgesetzt werden.

Kerstin Müller von der Kleintierklinik der FU Berlin berichtete mit eindrucksvollen Bildern von der Pflege kranker Seeadler. Leider gibt es nach wie vor Vergiftungen durch Bleimunition, bei denen die Heilungschancen schlecht sind.

Jochen Bellebaum wertete mehrjährige Wintervogelzählungen im Raum Brodowin aus, wobei er ökologische und konventionelle Anbauflächen und den Einfluss der Witterung untersuchte.

Die verlängerte Mittagspause nutzten viele Teilnehmer zu einem kurzen Spaziergang am benachbarten Schwielowsee.

Das Nachmittagsprogramm begann mit einem Vortrag von Anja Globig vom Friedrich-Löffler-Institut über die Vogelgrippe-Fälle bei Wildvögeln in Deutschland. Erwartungsgemäß löste der Vortrag eine kontroverse Diskussion darüber aus, welche Rolle Wildvögel bei der Übertragung der Vogelgrippe spielen.

Franziska Tanneberger stellte ihre Untersuchungen zum Seggenrohrsänger im Odertal vor. Die "Pommersche Population", die genetisch von den ostmitteleuropäischen Vögeln unterschieden werden kann, ist leider auf eine kritische Größe zurückgegangen. Durch Lebensraummanagement sollen die Bedingungen wieder verbessert werden.

Im Rahmen seiner Diplomarbeit untersuchte Arndt Wellbrock die Trauerschnäpper im Park Sanssouci in Potsdam und stellte vielfach Fremdvaterschaften fest.

Im letzten Vortragsblock berichtete zunächst Achim Seeger über das nunmehr abgeschlossene, zehnjährige Limikolen-Forschungsprojekt "Wader Wetland Inland", das vom NABU Westhavelland in mehreren europäischen Ländern koordiniert wurde. Vor allem in der Pripjat-Niederung wurden eindrucksvolle Limikolen-Brutbestände ermittelt.

Henry Hahnke schließlich stellte die Hilfsmaßnahmen für Trauer- und Flussseeschwalben am Parsteiner See vor. Mit künstlichen Nisthilfen gelang es, den Bruterfolg zu steigern. Sehr eindrucksvoll waren die zum Teil mit automatischer Kamera in den Brutkolonien aufgenommenen Fotos und Filmausschnitte.

In der Mitgliederversammlung gab es neben den üblichen Verbandsregularien drei wichtige Punkte: Erstmals in der Geschichte der ABBO wurden Ehrenmitglieder ernannt. Heinz Litzbarski, Winfried Dittberner und Klaus Witt wurden für ihre herausragenden, jahrzehntelangen Verdienste um die Ornithologie in der Region mit Urkunde und Buchpräsent geehrt. Heiß diskutiert wurde der Ort der nächsten Tagung: die Fans des traditionsreichen Tagungsortes Petzow standen den Befürwortern einer moderneren, mehr auf Tagungsveranstaltungen ausgerichteten Einrichtung gegenüber. Schließlich ging die Abstimmung mehrheitlich für den Tagungsort Blossin aus.

Und last but not least berichtete Kati Hielscher über den Stand der Atlaskartierung. Der ABBO-Vorstand ruft dabei vor allem die regionalen Fachgruppen auf, nach getaner Arbeit im eigenen Gebiet Flächen in problematischen Regionen zu übernehmen. Das soll durch die Zahlung von Aufwandsentschädigungen erleichtert werden.

Den Abschluss der ABBO-Tagung bildete ein Diavortrag von Thomas Noah, der die wunderschöne Natur Ostsibiriens, aber auch die logistischen Probleme bei dortigen Expeditionen in schönen Bildern eindrücklich zeigte. Bis spät in die Nacht dauerte der individuelle Erfahrungsaustausch im geselligen Teil des Abends - zur Beringertagung am kommenden Tag waren aber die meisten Teilnehmer wieder fit.


Wolfgang Mädlow