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19. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 28.11.2009


Ronald Beschow (Foto: Steve Klasan)

Am 28. November 2009 fanden sich über 170 Interessenten zur diesjährigen ABBO-Tagung im Jugendbildungszentrum Blossin ein. Erfreulich war dabei diesmal der recht hohe Anteil jüngerer Teilnehmer.

Das Vortragsprogramm eröffnete Torsten Ryslavy mit einer ersten Auswertung der ADEBAR-Atlaskartierung für Brandenburg. Die Landesfläche konnte vollständig bearbeitet und ausgewertet werden, über 300 Ornithologinnen und Ornithologen waren beteiligt. Zahlreiche Verbreitungskarten ausgewählter Arten eröffneten neue Einblicke in die aktuellen Verbreitungsmuster und ermöglichten spannende Vergleiche mit der Kartierung 1978-82. Die Ergebnisse sollen in einem eigenen Landesatlas publiziert werden. Der Vortrag zeigte: Dank der engagierten Gemeinschaftsarbeit ist die Kenntnis über unsere Brutvögel heute so gut wie nie zuvor.

Ronald Beschow berichtete anschließend über das Vorkommen des Ortolans im Kreis Spree-Neiße. Mit fast 500 Revieren lag das Erfassungsergebnis 2008 ganz knapp unter dem von 1998. Es fand eine deutliche Konzentrierung der Reviere in wenigen Gebieten statt. Erbsen wurden als bevorzugte Ackerkultur identifiziert.

Über die Vogelwelt der Stadtbrachen in Berlin referierte Peter Meffert. Hausrotschwanz, Girlitz und Haussperling kamen als Brutvögel am regelmäßigsten vor. Der Einfluss von Faktoren wie Flächengröße, Versiegelungsgrad, Vegetation und Frequentierung durch Menschen und Hunde auf das Vorkommen der Arten wurde ermittelt.

Stefan Jansen gab einen Überblick über ausgewählte Ergebnisse der Wasservogelzählung. Seit Beginn der Zählungen liegen inzwischen über 84.000 Datensätze von fast 17 Mio gezählten Wasservögeln vor, die zahlreiche Aussagen zu räumlicher Verteilung, Phänologie und Bestandsveränderungen ermöglichen. Simone Müller ergänzte den Beitrag mit einem Ausblick auf methodische Neuerungen bei den Gänsezählungen. So sollen zukünftig ergänzend zu den Schlafplatzzählungen auch Tageszählungen in ausgewählten Feldgebieten durchgeführt werden, um bessere Daten zum Anteil der Gänsearten zu erhalten.

Die Mittagspause nutzen viele Teilnehmer, um am Wolziger See frische Luft zu schnappen, wobei sich eine Samtente zeigte. Den Nachmittag eröffnete Ulrich Köppen von der Beringungszentrale Hiddensee mit einem Vortrag zum integrierten Monitoring am Weißstorch. Die Kombination von langjährigen Bestands- und Reproduktionsdaten mit Überlebensraten, die durch Ringablesungen ermittelt wurden, erlauben Rückschlüsse auf Ursachen der Bestandsentwicklung. Offenbar sind die ostdeutschen Storchbestände auf Zuzug aus anderen Regionen mit besserem Bruterfolg angewiesen. Auch die Sterblichkeit auf dem Zugweg spielt eine erhebliche Rolle.

Jörg Hoffmann behandelte das Thema Bestandshochrechnungen und verglich Brutpaarschätzungen aus verschiedenen Probeflächendaten mit den Angaben in der neuen Roten Liste, die vor allem auf Daten der Atlaskartierung beruhen. Die zum Teil recht erheblichen Differenzen führten zu der Forderung, Bestandsschätzungen besser als bisher zu begründen und damit nachvollziehbar zu machen und eventuell sogar ein Kontrollgremium - ähnlich einer Seltenheitenkommission - für die Überprüfung solchen Daten zu installieren.


Jörg Lippert und Wolfgang Mädlow (Foto: Karsten Siems)

Henry Hahnke zeigte interessante Videoaufnahmen aus einer gemischten Trauer- und Flussseeschwalben-Kolonie am Parsteiner See und dokumentierte zahlreiche innerartliche und zwischenartliche Interaktionen. Unter anderem wurde die Adoption und erfolgreiche Aufzucht eines Trauerseeschwalben-Kükens durch ein Flussseeschwalben-Paar belegt.

Nach der Kaffeepause referierte Hendrik Trapp über das sächsiche Beringungsprogramm am Kolkraben, bei dem die Vögel mit Flügelmarken versehen werden. Die Beobachtungsdaten geben Aufschluss über den Aktionsraum (der bei einigen Vögeln bis Südbrandenburg reicht) und das Ansiedlungsverhalten. Ein in einem Baumnest aufgewachsener Rabe brütete später in einer Felswand.

Das Nachmittagsprogramm wurde von Ralf Zech abgeschlossen, der über Methodik und Ergebnisse der langjährigen Erfassung von Entenbruten an den Peitzer Teichen berichtete. Wesentlich für die Brutbestandserfassung ist die Anzahl anwesender Vögel in der Vorbrutzeit. Die Tafelente hat in den Teichen seit geraumer Zeit abgenommen, während es bei der Kolbenente seit einigen Jahren eine rasante Zunahme gab.

In der Mitgliederversammlung der ABBO wurde über die Vereinstätigkeit des letzten Jahres berichtet und der Vorstand neu gewählt. Bestätigt bzw. neu gewählt wurden: Wolfgang Mädlow (Vorsitzender), Torsten Ryslavy (stellvertretender Vorsitzender), Marion Szindlowski (Kassenführerin), Karsten Siems (Schriftführer), Simone Müller, Bodo Rudolph und Peter Meffert (Beisitzer).

Einen weiteren Höhepunkt bildete - auch schon traditionsgemäß - der Abendvortrag. Benjamin Herold von der Vogelwarte Hiddensee berichtete von den wiedervernässten Flusstalmooren Mecklenburg-Vorpommerns und den dort durchgeführten Untersuchungen an Rallen. Kaum für möglich gehaltene Bestandszahlen an Wasser-, Tüpfel- und Kleinrallen wurden festgestellt. Und schließlich gelangen mehrere Brutnachweise der Zwergralle - erstmals in Ostdeutschland seit 1917.

Der weitere Abend wurde weidlich für persönlichen Erfahrungsaustausch und das Auffrischen alter und Knüpfen neuer Kontakte genutzt. Da die Gaststätte des Jugendbildungszentrums "schon" um 1.30 Uhr schloss, musste dies teilweise auf den Zimmern fortgesetzt werden, bevor nach einer kurzen Nachtruhe die ebenfalls sehr interessante Beringertagung begann.

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Wolfgang Mädlow