ABBO-Logo

24. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 08.11.2014

Gut 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich bei strahlendem Sonnenschein im Jugendbildungszentrum Blossin. Obwohl der Saal damit gut gefüllt war, war die Beteiligung doch etwas geringer als in den Vorjahren. Vielleicht hat der Bahnstreik oder auch die Terminüberschneidung mit der Jahrestagung der sachsen-anhaltinischen Ornithologen bei einigen Interessenten die Teilnahme verhindert.

Nach einem Grußwort des stellvertretenden Vorsitzenden des NABU Brandenburg Werner Kratz wurde das Vortragsprogramm von Lothar Kalbe eröffnet. Er berichtete über die Bildung von Unterwasserpflanzenbeständen und Algenmatten im Blankensee und den Auswirkungen auf die Vogelwelt. Die Pflanzenentwicklung ist eine Folge der Abnahme von Nährstoffeinträgen und damit der Verbesserung der Wasserqualität. Eine enorme Zunahme der Rastvogelbestände beispielsweise von Blessrallen, Zwergtauchern und Löffelenten war die Folge. Ähnliches ist auch an anderen brandenburgischen Seen zu beobachten.

Über aktuelle Beobachtungen an Trauerseeschwalbenbruten im Unteren Odertal referierte Jochen Bellebaum. Nisthilfen sind eine wichtige Voraussetzung für die Ansiedlung zahlreicher Paare, weisen aber insgesamt keinen höheren Bruterfolg auf als natürliche Nestunterlagen. Im Vergleich zu anderen Gebieten ist der Bruterfolg niedrig. Es werden kaum Großlibellen verfüttert, die am benachbarten Parsteiner See einen wesentlichen Anteil der Nestlingsnahrung ausmachen.


Die Brutvogelwelt der nordostdeutschen Buchenwälder war Thema des Beitrags von Heike Begehold. Es zeigte sich, dass Wirtschaftswälder und wenig oder nicht genutzte Wälder eine ganz unterschiedliche Vielfalt an Waldentwicklungsphasen aufweisen. Viele Buchenwaldarten bevorzugen bestimmte Waldentwicklungsphasen, wobei Terminal- und Zerfallsphase, die in konventionellen bewirtschafteten Wäldern kaum vorkommen, besondere Bedeutung haben.

Die stark positive Bestandsentwicklung des Fischadlers in Brandenburg ermöglichte es, Vögel für ein Wiederansiedlungsprojekt in Spanien zur Verfügung zu stellen. Wie Torsten Langgemach berichtete, wurden die Jungvögel erfolgreich ausgewildert und fanden ihr angestammtes Winterquartier in Westafrika. Ersten Brutansiedlungen in Spanien folgte eine Bestandszunahme, die weitere Auswilderungen überflüssig macht.


Die ausgedehnte Mittagspause wurde von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu ausgiebigen Gesprächen und zum Spaziergang an der frischen Luft genutzt. Ein Stand mit optischen Geräten von Foto Leistenschneider fand ebenso Interesse wie der Bücherstand des Verlags Natur & Text. Hier wurde das gerade erschienene Buch des ABBO-Ehrenmitglieds Winfried Dittberner über die Vogelwelt des Nationalparks Unteres Odertal vorgestellt, vom Autor signierte Exemplare konnten erworben werden.

Das Nachmittagsprogramm eröffnete Krista Dziewiaty mit einem Vortrag über die die Auswirkung des Energiepflanzen-Anbaus auf die Vogelwelt. Mit Hilfe von Probeflächenkartierungen konnte die Vogelbesiedlung verschiedener Kulturen ermittelt werden. Damit konnte durch Modellierung und Hochrechnung abgeschätzt werden, welche Auswirkungen Änderungen bei den Anbaukulturen auf die Vogelbestände in der Prignitz und im Kreis Lüchow-Dannenberg haben. Der zunehmende Maisanbau und der Verlust von Brachen haben bereits zu drastischen Vogelverlusten in der Agrarlandschaft geführt.

Jörg Hoffmann ging darauf ein, mit welcher Erfassungsmethode wichtige Aussagen über die Habitatnutzung von Agrarvögeln und ihre jahreszeitliche Entwicklung getroffen werden können. Vermehrte Erfassungstermine erlauben es, einen Zusammenhang zwischen der momentanen Vogeldichte und verschiedenen Strukturparametern der Anbaukulturen zu ermitteln. Daraus können Anforderungen an Agrarumweltprogramme abgeleitet werden, die den Agrarvögel zu Gute kommen.

Seit einigen Jahren läuft ein Wiederansiedlungsprojekt des Steinkauzes in der Nuthe-Nieplitz-Niederung, wie Kay-Uwe Hartleb berichtete. Bereits kurz nach den ersten Auswilderungen gezüchteter Jungvögel kam es zur ersten Freilandbrut. Eine neue Auswilderungsmethode, bei der sich Steinkauzfamilien langsam an das Leben in Freiheit gewöhnen können, scheint die Überlebensrate der Käuze zu erhöhen. Damit besteht Hoffnung, dass sich ein selbst tragender Bestand aufbauen kann.


Foto Leistenschneider

Nach der Kaffeepause gab es – bedingt durch den Bahnstreik – eine Änderung des Tagungsprogramms: Wolfgang Mädlow sprang mit einem Vortrag über 15 Jahre Integriertes Singvogelmonitoring am Schiaßer See ein. Der standardisierte Fang von Schilfvögeln zeigte insgesamt abnehmende Zahlen. Das Vorkommen der Bartmeise brach nach Kältewintern zusammen, während das Vorkommen der Rohrsänger vor allem durch jahrweise unterschiedliche Blattlausvorkommen, aber auch durch Vegetationsveränderungen im Schilfbestand beeinflusst wurde.

Abschließend berichte Benjamin Herold über das EU-LIFE-Projekt zum Schutz des Schreiadlers und anderer Arten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Ziel ist es, durch Flächenkauf den Lebensraum zu verbessern, beispielsweise durch Vernässungsmaßnahmen und naturschutzgerechte Bewirtschaftung. In mehreren Gebieten wurden Entwässerungsgräben geschlossen. Begleitet wird das vielversprechende Projekt durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Akzeptanzwerbung in der Region.

In der Mitgliederversammlung wurden nicht nur die notwendigen Verbandsregularien wie Vorstandsbericht und Kassenbericht behandelt, sondern es gab unter anderem auch einen ersten Bericht über die Ergebnisse der Goldregenpfeifer- und Kiebitzzählung im Oktober (Thomas Heinicke) und eine Vorstellung des neuen Buches über die Vogelwelt des Nationalparks Unteres Odertal (Winfried Dittberner).


„Krokodilwächter, Heuschreckenteesa und Madenhacker“ waren die Stars des Abendvortrags von Wolfgang Püschel, der mit wunderschönen Fotos Landschaft, Vogelwelt und Menschen im westafrikanischen Gambia vorstellte und damit einen inhaltsreichen Tag abrundete. Mit Schluss des offiziellen Programms begann der inoffizielle Teil, der so manchem ABBO-Mitglied bis zum Beginn der Beringertagung am nächsten Tag nicht viel Zeit für Schlaf ließ.

Text: Wolfgang Mädlow, Fotos: Bodo Rudolph


Einige Präsentationen stehen als PDF-Dateien zur Verfügung. Sämtliche Rechte an den Präsentationen liegen bei den Autoren. Die Internetveröffentlichung bedeutet keine Einverständniserklärung für eine anderweitige Nutzung durch Dritte. Jede Verwertung auch auszugsweise ist ohne Zustimmung der Urheber unzulässig und strafbar.