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21. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 26.11.2011


Anmeldung im Tagungsbüro bei Marion Szindlowski und Bodo Rudolph
(Foto: W. Mädlow)

Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur 21. Jahrestagung der ABBO nach Blossin. Das Vortragsprogramm begann mit einem Beitrag von Thomas Heinicke und Simone Müller über die Internationale Singschwanzählung und über sommerliche Mauerplätze von Wasservögeln. Im Januar 2010 wurden in Brandenburg gut 3.600 Singschwäne erfasst. Für die Mauserplatzerfassung liegen bislang Meldungen aus 95 Gebieten vor, wobei Blessralle, Stockente und Graugans die mit Abstand häufigsten Arten sind. Bodo Rudolph berichtete über die Entwicklung des Schwarzkehlchen-Bestandes. Früher eine Seltenheit mit ganz wenigen Brutnachweisen, nahm die Art vor allem ab den 90er Jahren stark zu, und heute wird der Brutbestand bereits auf 1020-1300 Paare geschätzt. Über die Ergebnisse eines Schreiadler-Schutzprojektes referierte Kai Graszynski stellvertretend für ein Autorenkollektiv. Zweitgeborene Schreiadler, die unter natürlichen Bedingungen nicht überleben, wurden Nestern in Deutschland und im Baltikum entnommen, aufgezogen und ausgewildert, um den Bruterfolg zu erhöhen. Heinz Litzbarski zeigte langjährige Daten zur Raumnutzung der Großtrappe im Fiener Bruch. Der Bau von fuchssicheren Gehegen erhöhte den Bruterfolg. Ein inmitten eines Brut- und Nahrungsgebietes errichteter Windpark führte zur Meidung und damit zum Verlust dieser Fläche für die Großtrappe. Zum Abschluss des Vormittagsblocks rief Gisbert Fanselow zur Mitarbeit auf: Für neurophysiologische Untersuchungen an der Universität Potsdam werden vogelstimmenkundige Probanden gesucht, bei denen per EEG die aktiven Gehirnregionen bei der Stimmerkennung ermittelt werden sollen.

Die Mittagspause nutzten einige Teilnehmer zu einer (ornithologisch ergebnislosen) Kurzexkursion an den Wolziger See, viele aber nahmen das Angebot von Herrn Köpke und Herrn Stromka an, einen kurzen Filmbeitrag über die Erbeutung eines Frischlings durch einen Seeadler anzusehen.

Der erste Vortrag nach der Mittagspause war dem zwanzigjährigen Jubiläum der ABBO-Gründung gewidmet. Wolfgang Mädlow bot einen Rückblick über die Gründung und die wichtigsten Aktivitäten der vergangenen 20 Jahre. Anschließend stellte Tobias Dürr die aktuellsten Ergebnisse der Totfundanalyse an Windkraftanlagen vor. Unter Berücksichtigung der Fundwahrscheinlichkeiten lässt sich die Zahl pro Jahr durch Windkraftanlagen getöteter Vögel in Brandenburg grob auf 12.500 abschätzen (bei Fledermäusen sind es 10-17.000). Ebenfalls vom Einfluss erneuerbarer Energien auf die Vogelwelt handelte der Beitrag von Eric Neuling. Im ersten Jahr der Errichtung des großen Solarparks bei Turnow-Preilack siedelten im Bereich der Solaranlagen nur wenige Vogelarten. Hingegen erwiesen sich die randlichen offengehaltenen Pflegestreifen als attraktiv unter anderem für Brachpieper und Wiedehopf.

Nach der Kaffeepause berichtete Michael Weiss über eine Langzeitstudie der Freien Universität Berlin an Nachtigallen in Berlin und Potsdam. Die Farbberingung erlaubte Angaben zur Ortstreue und Rückkehrrate der Männchen. Die Fütterungsaktivität der Männchen war individuell sehr unterschiedlich. Isotopenuntersuchungen scheinen darauf hinzudeuten, dass Berliner und Potsdamer Nachtigallen in unterschiedlichen Gebieten überwintern. Abschließend stellte Ralf Donat die umfangreichen Aktivitäten von Kranichschutz Deutschland in Brandenburg vor. Der Brutbestand hat sich stark erhöht, und auch bei den Rastzahlen gibt es seit Jahren bei einigen Schwankungen eine erhebliche Zunahme. Die Schaffung von Feuchtgebieten und die Besucherlenkung gehören zu den Aufgaben des Kranichschutzes.

Zu Beginn der Mitgliederversammlung wurde das 20jährige Jubiläum mit einem Glas Sekt gefeiert. In der Versammlung wurde vor allem über das neue Dateneingabeportal ornitho.de intensiv diskutiert. Im Dezember wird dazu eine eigene Veranstaltung in Potsdam stattfinden. Bei den turnusgemäßen Vorstandswahlen wurde der bisherige Vorstand bestätigt. Eine Änderung gab es: Anstelle von Peter Meffert, der nicht wieder kandidierte, wurde Steve Klasan als Beisitzer in den Vorstand gewählt.


Am Bücherstand (Foto: W. Mädlow)

Nach dem Abendessen beschloss Tom Noah den anregenden, aber auch anstrengenden Vortragstag mit einem Reisebericht, den wohl manche als Höhepunkt der Tagung empfanden. Auf der Suche nach dem vom Aussterben bedrohten Löffelstrandläufer ging es nach Ostsibirien auf die Tschuktschen-Halbinsel, wo die Zielart zwar nicht gefunden, aber dafür viele andere interessante Vogelarten beobachtet werden konnten. Die abenteuerlichen Reiseumstände zogen die Zuhörer ebenso in ihren Bann wie die phantastischen Landschaftsfotos.

Wie üblich schloss der Abend (oder besser gesagt der frühe Morgen) mit einem ausgedehnten Erfahrungsaustausch in der Gaststätte des Jugendbildungsheims, bevor am etwas späteren Morgen die Beringertagung begann.

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Wolfgang Mädlow