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18. ABBO-Tagung am 29.11.2008


Torsten Langgemach und Wolfgang Mädlow (Foto: Steve Klasan)

Rund 150 Teilnehmer fanden am 29. November 2008 den Weg zum Jugendbildungszentrum Blossin, um an der 18. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen teilzunehmen. Torsten Langgemach eröffnete das Vortragsprogramm mit einem Beitrag über die Ergebnisse des langjährigen Monitorings zu Verlustursachen bei Vögeln. Die Erkenntnisse können teilweise direkt in Schutzmaßnahmen umgesetzt werden, z.B. bei der Entschärfung von Hochspannungsleitungen oder bei Hinweisen auf die Gefährdung von Vögeln durch Bindegarn. Jörg Lippert berichtete über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Vogelkriminalität. Immer wieder werden Fälle illegaler Verfolgung (u.a. Habicht), gezielter Vergiftung, Eiersammelei oder ungenehmigter Haltung entdeckt. Die Verfolgung solcher Delikte wird durch die Personalsituation bei den Vollzugsbehörden schwieriger.

Wolfgang Dohle und Ulf Kraatz berichteten über eine Brutvogelerfassung auf einer Fläche im Nationalpark Unteres Odertal, die bereits Mitte der 90er Jahre als Totalreservat ausgewiesen wurde. Einige Vogelarten, die bevorzugt Mähwiesen besiedeln, wurden seltener oder verschwanden, die meisten Arten haben aber stark zugenommen, wodurch die große Bedeutung von Wildnisgebieten für den Vogelschutz deutlich wurde. Hartmut Kolbe referierte über die ornithologische Erforschung des Hohen Flämings, aus dem bisher nur recht wenige Ergebnisse vorliegen. Systematische nächtliche Kontrollen ergaben bemerkenswerte Daten zum Vorkommen von Waldkauz, Raufußkauz, Sperlingskauz und Uhu.

Die verlängerte Mittagspause nutzen einige Tagungsteilnehmer, um am nahegelegenen Wolziger See frische Luft zu schnappen und nach Vögeln zu sehen. Immerhin zeigte sich eine späte Zwergmöwe. Das Vortragsprogramm wurde dann von Jochen Bellebaum fortgesetzt, der über eine Teamarbeit zur Brut- und Nahrungsbiologie der Trauerseeschwalbe im Unteren Odertal berichtete. Das Angebot künstlicher Nisthilfen führte zu einer deutlichen Bestandserhöhung und zu einer geringeren Abhängigkeit vom Wasserstand. Der Schlupferfolg war auf Nisthilfen und natürlichen Nestunterlagen gleich hoch. Birgit Block konnte langjährige Daten zum Bestand und zum Bruterfolg der Waldohreule im Havelland präsentieren, wo eine sehr hohe Bestandsdichte erreicht wird. Die Eulen sind in hohem Maße auf Krähennester angewiesen; Greifvogel- und Kolkrabenhorste wurden selten genutzt.


Foto: Steve Klasan

Manfred Miethke zeigte Ergebnisse aus einer Mauersegler-Kolonie in Potsdam und stellte Daten zum Bruterfolg dar. Erste Beringungsergebnisse zeigten eine große Ortstreue der Vögel.Jörg Hoffmann stellte Ergebnisse von Siedlungsdichteuntersuchungen auf Brachflächen und Maisäckern vor. Der starke Rückgang der Brachen infolge der veränderten EU-Agrarförderung wird zu einem weiteren starken Rückgang einiger Vogelarten der Agrarlandschaft führen. Durch die Anlage von Brachestreifen könnte dies möglicherweise aufgefangen werden. Schließlich präsentierte Falk Schulz eine Chronik der Saatkrähenkolonien in der Prignitz. Zahlreiche Kolonien sind erloschen oder waren nur kurzzeitig besetzt. Die größte Kolonie in Wittenberge zeigt bei einigen Schwankungen keine negative Tendenz, doch kommt es immer wieder zu Konflikten mit Anwohnern.

IIn der ABBO-Mitgliederversammlung ging es unter anderem um neue Internet-Angebote zur Datensammlung und -auswertung und zur Erfassung regionaler Fachliteratur. Die Arbeiten zum Brutvogelatlas sind gut vorangeschritten, es liegen bislang die Ergebnisse für 175 von 249 Messtischblättern vor. 2009 sind noch letzte Feldarbeiten für den Atlas möglich. dabei wird besonders zur Erfassung von Eulen aufgerufen, für die es bislang noch Datenlücken gibt. Diskutiert wurde weiterhin, welche Konsequenzen sich aus der aktuellen Rechtsprechung zum Umweltinformationsgesetz für die Zusammenarbeit der ABBO mit Behörden ergeben.


(vorne) Lars Kluge und Lukas Landgraf (Foto: Steve Klasan)

Nach dem Abendbrot erfreute Thomas Krumenacker die Teilnehmer mit herausragend schönen Vogelbildern aus Israel, einem Land mit enormer Bedeutung als Zugknotenpunkt für Zugvögel aus Europa und Asien. Der Rest des Abends und der sehr frühe Morgen des Sonntags wurden von vielen Teilnehmern für den persönlichen Erfahrungsaustausch in der Kneipe des Jugendbildungszentrums genutzt.

Wolfgang Mädlow

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