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22. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 10.11.2012


Vogelquiz von und mit Marion Szindlowski (Foto: K. Siems)

Etwas früher als in den letzten Jahren hatte die ABBO zur Jahrestagung eingeladen. Die 160 Sitzplätze im Tagungsraum des Jugendbildungszentrums Blossin waren bis zum letzten Platz besetzt, als die Tagung um 10.00 Uhr begann. Torsten Langgemach gab einen Überblick über aktuelle Probleme des Vogelschutzes in Brandenburg und ging dabei besonders auf den Konflikt zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Vogelschutz ein. Dem stark gestiegenen Energiemais-Anbau wurden dabei die größten negativen Effekte zugesprochen. Marcus Borchert zeigte die Ergebnisse eines Projektes zur Bruterfolgskontrolle bei Wasservögeln in der Lewitz (Mecklenburg-Vorpommern). Vor allem Enten hatten nur einen minimalen Bruterfolg. Unter den verschiedenen Prädatoren spielten Neozoen eine besondere Rolle, insbesondere der Mink. Das wurde unter anderem durch Fotofallen und Videos nachgewiesen. Durch intensive Bejagung gelang es, den Bestand der Prädatoren zu senken und den Bruterfolg der Wasservögel zu erhöhen. Im Anschluss berichtete Wolfgang Köhler über die langjährige Bestandsentwicklung des Weißstorches in der Niederlausitz. Wechselnde Bestandstrends und schwankende Bruterfolge waren zu verzeichnen. Während Baumbruten seltener wurden und Weichdächer als Nistplatz ganz verschwanden, nahmen Mastbruten stark zu. Bei den Mortalitätsfaktoren waren Verluste durch Stromleitungen besonders bedeutend. Zum Abschluss des Vormittagsprogramms führten Arno Hinz und Ingo Börner über Methode zur Ablesung von Schreiadler-Kennringen in der Uckermark vor. In geeigneten Lebensräumen wurden Suppenhühner als Köder ausgelegt und die Adler mit automatischen Fotofallen aus der Nähe fotografiert. Neben verschiedenen Ringablesungen kamen auch interessante Verhaltensbeobachtungen zustande.

Nach dem gehaltvollen Vortragsprogramm gab es eine längere Mittagspause, die neben dem Mittagessen auch Raum zum frische Luft schnappen ließ. Viele Teilnehmer aber machten bei einem von Marion Szindlowski organisierten Vogelquiz mit und kamen dabei ins Schwitzen, denn anhand von mehr oder weniger kleinen Fotoausschnitten mussten die Arten erkannt werden. Die Gewinner, von denen Tobias Dürr am besten abschnitt, erhielten Büchergutscheine von Herrn Christ. Unter allen Teilnehmern wurde als Hauptpreis ein kleines Leica-Fernglas verlost, das von Leica gesponsert wurde und an Pascal Eckhoff ging.

Das Nachmittagsprogramm begann mit einem Vortrag von Prof. Franz Bairlein, dem Direktor des Instituts für Vogelforschung in Wilhelmshaven, der wohl von vielen Teilnehmern als Höhepunkt der Tagung empfunden wurde. Herr Bairlein berichtete über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vogelwelt, beschränkte sich dabei aber nicht auf die schon vielfach beschriebenen phänologischen Änderungen. Durch Desynchronisierung von Jungenaufzuchtzeit und Nahrungsangebot kann es zu Engpässen bei der Versorgung von Jungvögeln kommen. Veränderte Temperaturen bewirken bei Futterplanzen von Gänsen wie auch bei Muscheln im Wattenmeer eine Verringerung des Nährstoffgehalts. Gänse kommen dadurch in schlechterer Kondition im Brutgebiet an, was Einfluss auf den Bruterfolg haben kann. In milden Winter verhungern Eiderenten im Wattenmeer, obwohl sie die Mägen voller Muscheln haben.

Gerd Kleinstäuber konnte im Anschluss ein Erfolgsprojekt vorstellen: Die Wiederansiedlung von baumbrütenden Wanderfalken in Nordostdeutschland. Die Vorkommen im ehemaligen Baumbrüterareal waren infolge des DDT-Einsatzes vollständig erloschen. Durch Auswilderung von Jungvögeln in Baumhorsten wurde die notwendige Prägung der Vögel auf diesen Niststandort erreicht. Durch Beringung wurde nachgewiesen, dass fast nur in Baumhorsten aufgewachsene Vögel auch selbst in Baumhorsten brüteten. Nach deutlicher Zunahme des Bestandes konnte das Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Über die Entwicklung der ehemaligen Rieselfeldlandschaft bei Hobrechtsfelde am Nordrand Berlins referierte Roland Lehmann. Nachdem der Versuch scheiterte, die Flächen aufzuforsten, entstand eine strukturreiche Landschaft, die durch Beweidung gepflegt wird. Auch neue Teiche wurden angelegt. Entsprechend reichhaltig gestaltet sich die Vogelwelt, die aufgrund der dynamischen Landschaftsentwicklung aber auch starken Veränderungen unterlag.


Mittagspause am Wolziger See (Foto: K. Siems)

Nach der Kaffeepause führte Gertfred Sohns die Erfolge der Landschaftspflege mit Wasserbüffeln am Rietzer See vor. Revierkartierungen über mehrere Jahre zeigten den Einfluss des Beweidungsregimes auf die Bestände. Einmal mehr stellte sich heraus, dass die Art und Weise der Landnutzung für den Vogelschutz entscheidend ist und dass Flächeneigentum das beste Instrument ist, dies gemeinsam mit den Landwirten umzusetzen. Für einen kurzfristig ausgefallenen Vortrag sprang Wolfgang Mädlow ein, der über die Geschichte der Ornithologie in Brandenburg berichtete. Johann Heinrich Schulz, Bernhard Altum, Herman Schalow, Hermann Hocke und Gottfried Schiermann gehörten zu den Ornithologen, die die Avifaunistik im Land zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts vorangebracht haben. Besonders interessant sind die Berichte von Erich Hesse, der die reiche Vogelwelt der havelländischen Luchgebiete unmittelbar vor ihrer Entwässerung beschrieb.

In der Mitgliederversammlung gab es den Rechenschaftsbericht des Vorstandes sowie Mitteilungen über die Tätigkeit der Avifaunistischen Kommission und Informationen zur Wasservogelzählung. Im Januar wird eine internationale Kormoran-Schlafplatzzählung stattfinden, für die Mitstreiter gesucht wurden. Außerdem traf die Versammlung die Entscheidung für ein neues Logo der ABBO. Aus sieben Entwürfen, die von ABBO-Mitgliedern eingereicht wurden, wurde ein Logo ausgewählt, das von Henry Hahnke gestaltet wurde. Es beruht auf der traditionellen Großtrappenzeichnung der ABBO, die von Lothar Kalbe geschaffen wurde, farbig ausgeführt und durch Schriftzug ergänzt.

Nach dem Abendessen gab es ein weiteres Highlight der Tagung: Jens Hering führte das Publikum quer durch Libyen und Ägypten, in Gebiete, die teilweise kaum jemals von Ornithologen aufgesucht wurden. Wüstenvulkan und Beregnungsgebiete, Küstenlagunen und Mangroven bargen zahlreiche ornithologische Überraschungen. So konnten Zimtrohrsänger, Mangrovenrohrsänger und Chinadommeln erstmals für die Westpaläarktis nachgewiesen werden. Abenteuerliche Reiseumstände würzten den Vortrag ebenso wie Schilderungen von Land und Leuten - alles untersetzt mit phantastisch schönen Fotos.

Voller Eindrücke zogen die verbliebenen Teilnehmer in die Gaststätte des Jugendbildungszentrums um. Erfahrungsaustausch, Kennenlernen und Kontaktauffrischen in gemütlicher Runde zogen sich bis weit nach Mitternacht hin. Ganz hartgesottene setzten dies dann noch auf den Zimmern fort. Trotzdem fanden sich fast alle Teilnehmer am nächsten Morgen pünktlich um 9.00 Uhr zur Beringertagung ein, die mit etwa 70 Teilnehmern ebenfalls sehr gut besucht war.

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Wolfgang Mädlow