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Die Geschichte der ABBO

Als die ABBO am 19.1.1991 gegründet wurde, ging es nicht darum, etwas völlig Neues aus dem Boden zu stampfen. Vielmehr wurde der Notwendigkeit Rechnung getragen, eine Organisationsform zu schaffen, die den Ornithologen Brandenburgs die weitere Arbeit unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen ermöglichte.

In der DDR waren die Ornithologen in den Fachgruppen der Gesellschaft für Natur und Umwelt des Kulturbundes vereint, die bezirksweise in den Bezirksfachausschüssen zusammengeschlossen waren. Spätestens mit der Gründung der "Interessengemeinschaft Avifaunistik in den brandenburgischen Bezirken und Berlin" 1963 und der gemeinsamen Arbeit an der Avifauna entwickelte sich ein landesweiter Zusammenhalt, der durch gemeinsame Tagungen und brandenburgspezifische Publikationsmöglichkeiten weiter gefördert wurde.

Mit der politischen Wende 1989/90 stellte sich wie in fast allen gesellschaftlichen Bereichen die Frage nach der Zukunft der weiteren Arbeit. Schon Anfang 1990 wurde deutlich, dass die Mehrheit der Naturschützer und Ornithologen den Kulturbund und die Gesellschaft für Natur und Umwelt nicht mehr als Dach akzeptieren wollten. Im Naturschutzbereich wurde am 10.3.1990 der Naturschutzbund in der DDR und am 31.3.1990 der Landesverband Brandenburg gegründet, die zur neuen Heimat auch vieler Ornithologen wurden. Der Naturschutzbund war von vorne herein so angelegt, dass die Facharbeit in den verschiedenen Bereichen einen hohen Stellenwert bekommen sollte - ein Konzept, das bei der Vereinigung mit dem Deutschen Bund für Vogelschutz zum Naturschutzbund Deutschland bundesweit übernommen wurde. Nach der Auflösung des Zentralen Fachausschusses Ornithologie und dem Scheitern der zunächst beabsichtigten Gründung eines in Landesverbänden gegliederten Ornithologenverbandes der DDR am 24.3.1990 herrschte für die Ornithologen auch in Brandenburg zunächst ein organisatorisches Vakuum.


Foto: R. Kaminski, Fitis, Großräschen, 02.09.2007

In Berlin entstanden schnell Kontakte zwischen den bisher vollständig getrennten Fachgruppen im West- und Ostteil der Stadt, die zur Gründung der "Berliner Ornithologische Arbeitsgruppe (BOA) e.V. am 9.10.1990 führten.

Die Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen wurde am 19.01.1991 im Botanik-Hörsal in der Potsdamer Maulbeerallee gegründet. Nach der Verabschiedung einer Geschäftsordnung trugen sich am Ende der Gründungsveranstaltung 83 Personen als Gründungsmitglieder der ABBO in die vorbereiteten Listen ein, sieben weitere bekundeten als Nicht-NABU-Mitglieder ihr Interesse an einer Mitarbeit (die in der Geschäftsordnung ausdrücklich vorgesehen wurde). Bis zur ersten ABBO-Tagung wurde die Arbeitsgemeinschaft durch einen vorläufigen Vorstand ohne Ämterzuteilung geleitet. Als erster Vorsitzender wurde am 16.11.1991 Henry Hahnke gewählt.

Wesentliche Aktivitäten der neuen Arbeitsgemeinschaft waren: Einrichtung regelmäßiger Jahrestagungen mit Fachvorträgen aus der Region (erstmals am 16.11.91 in Berlin), Gründung der regionalen Fachzeitschrift Otis (Schriftleitung Prof. D. Wallschläger, erstmals 1993 erschienen), Gründung einer zentralen Beobachtungskartei und Herausgabe eines avifaunistschen Jahresberichtes (A. Bräunlich & W. Mädlow, erstmals für 1991), Einrichtung eines ABBO-Archivs mit Literatur und unveröffentlichten Beobachtungsdaten aus Brandenburg (bis 1997 im Naturkundemuseum Berlin, seitdem in Beeskow).

Eine der wichtigsten Ziele der ABBO war die Arbeit an der Neuauflage der Avifauna Brandenburgs. Nachdem die Arbeitsgemeinschaft 1994 die Herausgeberschaft von Prof. Rutschke übernommen hatte, wurden Artbearbeitungs-Entwürfe in Form von "Grünbüchern" vervielfältigt und an viele Ornithologen zur Durchsicht und Ergänzung verschickt. Auf dieser Grundlage konnte die "Vogelwelt von Brandenburg und Berlin" verfasst werden, die 2001 erschienen ist.

(gekürzt und ergänzt nach: W. Mädlow (2000): Zehn Jahre Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen. Otis 8 2-6.