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25. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen am 21.11.2015

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der 160 Sitzplätze umfassende Tagungsraum des Jugendbildungszentrums Blossin zur Eröffnung der ABBO-Jahrestagung. Aus allen Landesteilen waren die Ornithologinnen und Ornithologen angereist, um sich in Vorträgen über Neues aus der Vogelwelt Brandenburgs zu unterrichten und in persönlichen Erfahrungsaustausch zu treten.

Das Vortragsprogramm wurde von Torsten Langgemach eröffnet, der über die neuen Windkraft-Abstandsempfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelwarten berichtete. Die inzwischen stark gewachsene Kenntnis der Auswirkungen von Windkraftanlagen führte bei manchen Arten zu Vergrößerungen, bei anderen zu Verkleinerungen der empfohlenen Abstände von Windkraftanlagen zu Brut- und Rastplätzen. Deutlich wurde auch die schwierige Entstehungsgeschichte des Papiers im Spannungsfeld zwischen fachlicher Einschätzung und Versuchen politischer Einflussnahme. Wolfgang Suckow referierte über Haubenlerchen-Erfassungen im Niederen Fläming, wo die Art im Gegensatz zu vielen anderen Landesteilen noch in jedem Dorf vertreten ist. Die Auswertung von Luftbildern erleichterte die gezielte Suche nach geeigneten Lebensräumen im Gelände. Die Auswertung wurde nach Eingabe in ornitho.de mit Hilfe eines Geografischen Informationssystems durchgeführt. Der nächste Vortrag von Thomas Hellwig behandelte eine vergleichende Brutvogelkartierung auf folienbedeckten Spargelfeldern und sonstiger Agrarlandschaft in der Umgebung von Brandenburg/Havel. Vor allem die flächengebundenen Arten wie Feldlerche und Schafstelze fehlten auf den Folienäckern fast vollständig. Auch bei den Arten der Feldgehölze und Saumstrukturen gab es Rückgänge. Der zunehmende Folienanbau im Europäischen Vogelschutzgebiet gefährdet den guten Erhaltungszustand der Arten. Im Anschluss berichtete Lars Thielemann über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Wiederansiedlung von Auerhühnern in der Niederlausitz. Besenderte ausgewilderte Tiere erschlossen sich schnell neue Lebensräume und zeigten eine relativ hohe Überlebensrate. Hauptverlustursache sind Kollisionen mit Infrastruktur. Der Aussetzung gingen langfristige Projekte zur Lebensraumverbesserung voraus. Die ersten Freilandbruten wurden nachgewiesen. Im Ergebnis soll das Projekt fortgeführt werden. Die ausgedehnte Mittagspause nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum intensiven Erfahrungsaustausch, frische Luft schnappen und Beine vertreten. Natürlich war der Bücherstand von Herrn Christ wieder eine große Attraktion. Dann ging es gleich weiter mit dem Vortragsprogramm. Thomas Heinicke stellte die Zugwege brandenburgischer Kraniche anhand von farbberingten Vögeln dar, wofür das Internetportal iCORA ausgewertet wurde. Die Vögel ziehen über Frankreich größtenteils nach Spanien, wobei in den letzten Jahren eine Verkürzung des Zugweges und vermehrte Überwinterungen in Deutschland zu beobachten sind. An Stelle eines krankheitsbedingt ausgefallenen Vortrages stellte Thomas Heinicke dann noch einige Ergebnisse der letzten internationalen Zählungen von Schwänen (Januar 2015) und Goldregenpfeifern/Kiebitzen (Oktober 2014) vor. In Brandenburg waren die Zahlen von Singschwänen und Kiebitzen im deutschlandweiten Vergleich hoch, während viel weniger Goldregenpfeifer als bei der vorherigen Zählung rasteten. Tim Wahrenberg präsentierte seine Masterarbeit zur Bestandsberechnung und Habitatanalyse beim Braunkehlchen. Digitalisierte Kartierungsdaten aus dem Monitoring häufiger Arten wurden im relevanten Erfassungsstreifen den Habitaten zugeordnet und mit den ermittelten Dichten der Bestand für Brandenburg hochgerechnet. Die sich daraus ergebende Bestandsschätzung lag mit 20.000 Revieren höher als erwartet, was dann in der Diskussion erörtert wurde. Wolfram Schulz führte die Ergebnisse wiederholter großflächiger Nachtigall-Erfassungen im Stadtgebiet von Potsdam vor. Während die Bestände in den letzten Jahren höher lagen als bei einer Zählung 1965/66 war seit 2003 eine Abnahme durch verstärkte Bautätigkeit und Pflegemaßnahmen in den Parks zu beobachten. Der Neuntöter wurde 2014 erstmals stadtweit erfasst.

Nach der Kaffeepause ging es weiter mit dem Vortrag von Henry Lange, der Nistplätze des Steinschmätzers auf einem ehemaligen Militärgelände bei Neuruppin zeigte. Mit der Installa tion von Niströhren in alten Flugzeughangars gelang es, den Steinschmätzerbestand deutlich zu steigern. Dagegen erwiesen sich Steinhaufen, die als Ersatzmaßnahme errichtet wurden, als ungeeignet. Zum Abschluss des Vortragsprogramms berichtete Klemens Steiof über die neue Rote Liste der Brutvögel Berlins. Aus verschiedenen Datenquellen, vor allem Monitoringprogrammen, Arterfassungen und den ornithologischen Jahresberichten wurden Trends für alle Brutvogelarten ermittelt. Aus Bestandsgröße, lang- und kurzfristigem Trend wurden dann die Gefährdungskategorien abgeleitet. Während beispielsweise Kranich und Rothalstaucher aus der Roten Liste entlassen werden konnten, gelten Saatkrähe, Dohle und Schafstelze jetzt als „vom Aussterben bedroht“.

In der Mitgliederversammlung der ABBO wurde neben den üblichen Regularien (Vorstandsbericht und andere Berichte, Kassenbericht, Entlastung) auch der Vorstand neu gewählt. Der bisherige Vorstand wurde dabei im Amt bestätigt: Wolfgang Mädlow (Vorsitzender), Torsten Ryslavy (stellvertretender Vorsitzender), Dr. Karsten Siems (Schriftführer), Marion Szindlowski (Kassenführerin), Simone Müller, Bodo Rudolph, Steve Klasan (Beisitzer). Als Kassenprüfer wurden Anne Grohmann und Bodo Giering gewählt. Für das Jahr 2016 ruft die ABBO zu einer Kartierung ausgewählter Brutvogelarten in Kiesgruben auf.

Nach dem Abendessen bildete der Vortrag von Thomas Heinicke über die Vogelwelt des Tienschan-Gebirges in Kyrgyzstan den krönenden Abschluss der Tagung. Wunderschöne Vogelaufnahmen von den typischen Vögeln der verschiedenen Landschaften – von der Wüste bis ins Hochgebirge – erfreuten die immer noch zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Der im Verlauf des Abends aufgestaute Bierdurst konnte dann wie üblich in der Gaststätte des Jugendbildungszentrums gelöscht werden. Als der ABBO-Kassenführerin um Mitternacht ein Geburtstagsständchen gesungen wurde, war der Abend noch lange nicht vorbei.

Text: Wolfgang Mädlow


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